02.10.09   11:05 Uhr Antwort auf: eine Teilantwort
Autor: DerDon

die Fragen bleiben ;)

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:Hallo DerDon,

Hallo Joaquim, ich möchte schon gleich im Vorraus sagen, das es mir einigermaßen schwer fällt, deine Gedanken nachzuvollziehen, aber ich will versuchen darauf einzugehen ;)

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:Zunächst sei erst mal gesagt, daß meine Vorstellungen nichts mit der jetzigen Finanzkrise zu tun haben, die ist höchstens eine kleine!!! Begleiterscheinung größerer Ursachen.

Hier liegt schon unsere erste Meinungsverschiedenheit zu Grunde ;) Ich persönlich glaube, dass diese Krise seit den 30er Jahren die größte ist, die wir erlebt haben und vor allem auf verfehlte Politik (und Ideologie) in den letzten 20-30 Jahren zurückzuführen ist.

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:Es gibt unendlich viele Interessen die Mehrheit glauben zu lassen, daß es ein permanentes Wachstum gibt und gab.
:Leider läßt sich das weder statistisch noch geschichtlich nachweisen. Abgesehen davon widerspricht es natürlichen Prozessen.

Hier stellt sich für mich die Frage, welchen Zeithorizont du wählst.
Wenn du sagst "uns geht langsam die Suppe aus", übersetze ich das für mich so, dass wir bald alle den Gürtel enger schnallen müssen, immer weniger zu verteilen ist, die Staatsverschuldung unsere Handlungsspielräume eingrenzt etc. - die üblichen Floskeln eben. In einem Zeitraum von 45 an betrachtet kann man aber sehr wohl sagen, dass es stets Wachstum gab und speziell in den letzten 10-20 Jahren (wenn auch sehr gering). Wer also trotz wachsender Wirtschaft von "immer weniger zu verteilen" spricht, hat mMn etwas nicht verstanden (oder steht für bestimmte Interessen).
Betrachten wir jedoch einen längeren Zeitraum, sagen wir die letzten 200-300 Jahre, bin ich durchaus gerne geneigt auch zu glauben, dass es permantes Wachstum nicht gibt, bzw Wachstum in Schüben verläuft (wobei ich hier Wachstum in materiellem Sinne meine - auf unsere geistige Verfassheit will ich kein Wort verlieren ;) )

:
:Statt kontinuierlichem Wachstum (und sei es noch so langsam) haben wir unterschiedlich lange Zyklen/Perioden von auf und ab.

Wobei das nicht bedeutet, das die GEsamttendenz nicht steigend sein kann.

:Als Beispiel seien hier die Kondratieff-Zyklen des gleichnamigen russischen Ökonomen genannt, der aber nicht nur wirtschaftliche Entwicklungen beschreibt sondern auch gesellschaftliche.
:Wir haben aber auch ziemlich determinierte langfristige Folgen von Deflation und Inflation bishin zur Hyperinflation. In diesem Fall richtet sich die Folge in Anlehnung nach Fibonacci-Verhältnissen.
:Es gibt sogar eine gewisse Kriegs-Zyklik.
:
:Man kann diese Prozesse beobachten. Eine genaue Erklärung habe ich dafür nicht, stelle mir höchstens vor, daß es so etwas wie ein weltübergreifendes Bewußtsein gibt, welches die unterschiedlichsten chaosartigen Aktionen dennoch einer gewissen größeren Ordnung unterwirft.
:Betonen möchte ich, daß ich mit Ordnung nicht meine, daß alles determiniert ist. Der Mensch hat einen freien Willen, nur gibt es eine vielzahl von Einflüssen und vermutlich etliche, die die Wissenschaft bislang nicht kennt.
:Das Warum muß aber nicht interessieren entscheidender ist natürlich die reale Eintritts-Wahrscheinlichkeit.
:
:Die oben dargestellten Dinge kann man versuchen nachzuprüfen, ggf. sich zu informieren oder zu glauben oder auch nicht. Mir ist es gleich. Persönlich habe ich derartige Dinge seit ca. 10 Jahren intensiv untersucht.

Bitte nicht als Kritik verstehen: Inwiefern hast du das intensiv untersucht? Hast du bestimmte Bücher dazu gelesen (du darfst auch gerne 1-2 Titel nennen ;) ), oder einfach allgemein den Fokus deiner Aufmerksamkeit darauf gelegt?

:
:Nun zu den Sachen, die jedem offenkundig sein sollten:
:
:Fangen wir mit der Kreditproblematik an:
:1. Kredite sind für ein Unternehmen, einen Staat, einem Weltteil, einer Welt von Vorteil, solange der damit verbundene Ertrag höher ist als die Kosten der Kredite.
:Ab einem gewissen Punkt (nach entsprechendem positivem Wachstum) haben wir einen Umkehrpunkt erreicht, also so, daß die Kosten der Kredite höher sind als deren Nutzen.

Was denkst du, sind die Ursachen dafür? Meinst du wie Marx, dass eine fallende Profitrate dafür verantwortlich ist?

:Dieser Punkt wurde weltwirtschaftlich nach meinem Dafürhalten vor ca. 10 Jahren erreicht. Nicht bei allen Ländern im gleichen Maße, aber bei einer vernetzten Weltwirtschaft wird letzten Endes nicht ein Land bestimmen sondern die Masse.
:
:2. Sind die Summe aller laufenden Kredite permanent höher als das allgemeine Wirtschaftswachstum (was leicht durch staatliche Kredite passieren kann) haben wir einen Kettenbrief, der je weiter sich die Kreditsumme/Geldsumme von den Realgütern entfernt hat sich nur noch durch extreme wirtschaftliche Schmerzen auflösen läßt.

1. Wieso sollte es gerade durch Staatskredite passieren? Gerade Staatskredite sind doch Zinsmäßig "billiger" als Privatkredite.
2. Wenn sich die Geldsumme von den Realgütern entfernt, gibt es doch einfach nur Inflation? Eine nominale Anpassung der Preise würde doch jegliche "extreme wirtschaftliche Schmerzen" im vornherein unnötig machen?

:Da wir seit Ende des II.Weltkrieges eine permanente Inflationierung hatten ohne nennenswerte deflatorische und damit ausgleichende Tendenzen dazwischen wird der nächste Absturz uns vermutlich wieder zur Ausgangsbasis zurückführen.
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:3. Da der Wohlstand in Deutschland in extremer Weise von seinen Exportgütern abhängt wird es den Deutschen trotz hoher Sparquote relativ zu anderen Ländern bei weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten schlecher gehen (von einem hohen Niveau aus).

Das Deutschland Exportweltmeister ist, ist mMn wiederum nur "Verdienst" der Politik der letzten 10 Jahre. Das ist keine gottgegebenheit. Allerdings ist es richtig, dass Deutschland durch seine Exportfixiertheit stärker vom Einbruch der Weltmärkte betroffen ist (weshalb wir allerdings auch stärkeres Interesse am wiederbeleben der Konjunktur haben sollten - sollte man zumindest meinen)

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:Das nur als kurzer beispielhafter Abriß, wieso ich meine, daß bald keine Suppe mehr da sein wird.
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:Man sollte vielleicht auch mal die letzten Statistiken lesen bezüglich Einbrüchen bei den Steuereinnahmen und das mal weiter rechnen z.B. den Anstieg der Sozialkosten wenn z.B. die Automobilbrache ihre Überkapazitäten wirklich abbaut.
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:Gruß Joaquim
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