23.08.09   23:28 Uhr
Autor: Sozialknight

Die neue Armut in der BR Deutschland

Man muss nur hinsehen, nicht einmal genau.

Aber ich fange am besten mal von vorne an:

Ich wohne in einer Stadt, deren Einwohner allgemein als arrogant gelten, da auf der Prachtmeile viele Schoene und Reiche flanieren.

Das ist das allgemeine Bild das man von dieser Stadt hat, aber es gibt durchaus die Kehrseite der Medaille, man muss nur hinsehen.

Da ich aufgrund geringer finanzieller Mittel kaum bis nie in die Stadt gehe, ist es mir selbst nie sonderlich aufgefallen, aber als ich (durch eigenes Verschulden, ich mache mir da nichts vor) selber in finanzielle Not geriet und der Monat noch so viele Tage bis zum Monatsende hat, sah ich mich gezwungen, Dinge zu tun, die mein ,,Stolz" vorher nie zugelassen haette.

Pfandflaschen sammeln.

Ich habe durchaus positive Lehren daraus gezogen, denn Pfandflaschen sammeln reinigt die Seele vom Schmutz wie Stolz und Scham.

Man muss sich nicht schaemen, wenn man Pfandflaschen sammelt, man stiehlt ja nicht oder stoert/belaestigt andere damit. Armut schaendet nicht. Und Stolz? Wie heisst es so schoen: ,,Dummheit und Stolz waechst aus einem Holz!"

Und doch habe ich mich geschaemt.
Nicht, weil ich hier und da in Muelltonnen sehe, ob etwas zu gebrauchen sei, nein, das ist es nicht.

Anfangs war ich so naiv und habe (nicht zuletzt aus reiner Not) jede Bierflasche mitgenommen.

Gott, was war ich stolz, als ich 4 Euro alleine durch Bierflaschen beisammen hatte.
Inzwischen lasse ich die Bierflaschen links liegen und sammele nur noch die 25 Cent - Flaschen.
Durch reines Ueberlegen weiss ich nun auch, wo ich am besten suchen muss und tatsaechlich fuendig werde.

Wieso also schaeme ich mich?
Weil ich das Gefuehl habe, denen, die es noetiger haben etwas wegzunehmen.

Und was das Furchtbare ist:
Es werden immer mehr, die Pfandflaschen sammeln.
Manche sehen aus wie die typischen Clochards, aber es sind auch Menschen wie Du und ich darunter. Jede Alterslage, jede soziale Schicht. Alle wollen wohl ihr Geld aufbessern.
Teilweise gibt es sogar Streit um die eine oder andere Bierflasche, ja sogar Revieransprueche werden gestellt.

Das Allerschlimmste aber was ich mit ansah war eine Dame, die zwar gut gekleidet war, aber dennoch in den Muelleimern wuehlte.
Klar, Pfandflaschen, was sonst.

Denkste!

Sie sammelte Essenreste wie Pizzaraender und aehnliches.

Es gibt eine neue Armut in Deutschland.
Sie ist praesent und nicht nur in unserer ach so arroganten Stadt.

Man muss nur hinsehen!



Alle Beitäge in diesem Diskussionsfaden


BeiträgeAutorDatum
Die neue Armut in der BR DeutschlandSozialknight23.08.09   23:28 Uhr
    Die neue Armut ist die alte Armut, oder doch eine andere?Joaquim24.08.09   08:26 Uhr
        Die Angst davor treibt die Menschenorbitter24.08.09   10:02 Uhr
            bei derWahl ist alles wieder vergessenAlterKnacker24.08.09   17:39 Uhr
                Am Gedächtnis liegt es nichtorbitter25.08.09   16:28 Uhr

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24.08.09   08:26 Uhr Antwort auf: Die neue Armut in der BR Deutschland
Autor: Joaquim

Die neue Armut ist die alte Armut, oder doch eine andere?

Es gibt so viele Arten von Armut.

arm an Geldmitteln,
arm an Zeit
arm an Ideen und Kreativität
arm an Lebensmut
arm an Gesundheit
arm an sozialen Kontakten
arm an Gottesglauben
arm an geistiger Freiheit
arm an körperlicher Freiheit
arm an Lebenszielen und Sinnhaftigkeit
arm an Klugheit
arm an Partnerschaft
usw.

Wer Armut ausschließlich nach dem 1. Punkt definiert, der ist wirklich arm dran, weil er den Reichtum nicht sieht, den er vermutlich in anderen Bereichen hat.

Und was soll daran schlimm sein, Sammeln zu gehen für die Erhaltung der Existenz? Wir sind doch "Sammler und Jäger".
Wer in der Stadt wohnt sammelt Flaschen oder Altmetall, wer auf dem Lande wohnt sammelt Früchte der Natur.

Wir leben auf dem Lande und vor vielen, vielen Jahren habe ich mein gutes Einkommen mit geregelter 70Std.-Woche eingetauscht gegen ein sehr, sehr mickriges Einkommen aber mit viel, sehr viel Zeit für mich und mein Umfeld.
- und ich muß sagen, die Lebensqualität hat sich deutlich verbessert. (Wir haben finanziell nicht mehr zur Verfügung als ein Hartz IVer.)
Tja, und bei den Waldspaziergängen mit unseren Hunden sammeln wir auch fleißig und verarbeiten die Früchte. Das ist besser als der Monsanto-Gen-Dreck, den man in Nobelhotels rund um die Welt angeboten bekommt oder im Schnellimbiß unter Zeitdruck.

Anfang August waren z.B. Wildpflaumen dran, jetzt im Moment wilde Mirabellen und Kornelkirschen. Wer möchte, auch Wildrosenfrüchte, dann Mehlbeeren, Aronien sind auch in Kürze reif, auch bald die Wildäpfel. Leckere Salate gibt es auch draußen ... usw. usw. Im Winter sieht es natürlich anders aus, aber dann leben wir noch billiger als hier in Portugal auf dem Lande. Dort kann man den ganzen Winter über frisches Gemüse essen. Dort sind alle Selbstversorger, vom Schwein bis zum Öl.

(Natürlich leben wir nicht ausschließlich von Selbstgesammelten, aber es ist eine zusätzliche Bereicherung an Spaß und Lebensmittelqualität)

Und - ich betrachte mich/uns als ausgesprochen reich, reich an allem, nur nicht an Geld und finanziellen Mitteln.
Jeder Manager mit einem Jahreseinkommen von 100 Millionen ist dagegen arm und ich möchte mit keinem der Herrn tauschen, auch nicht mit einem leitenden Angestellten mit gutem Einkommen und dem Zwang dieses Einkommen durch entsprechende Leistung vor anderen, vor allem vor Vorgesetzten ständig rechtfertigen zu müssen.
Freiheit im Denken und Handeln ist ein viel zu hohes Gut als das ich das verkaufen wollte, nur um vielleicht mein 600-Euro teures Auto gegen ein Mittelklassewagen oder ein Oberklasseauto eintauschen zu wollen.

Wenn jemand, wie von Ihnen geschildert, nach Essensresten in Mülltonnen sucht, dann vermute ich, daß in diesen Fällen auch Suchtmittel eine Rolle spielen, sei es Alkohol, Tabak oder andere Drogen.

Gruß Joaquim



24.08.09   10:02 Uhr Antwort auf: Die neue Armut ist die alte Armut, oder doch eine andere?
Autor: orbitter

Die Angst davor treibt die Menschen

Natürlich läßt läßt sich Armut nicht nur auf die Abwesenheit von Geld reduzieren aber gerade die fehlenden finanziellen Mittel für Familien aber auch Alleinerzeihende und nicht zuletzt auch ältere Bürger treibt diese oft an den Rand des seelischen Absturzes.Das hängt oft mit der Angst oder den Bedenken zusammen auf auf hart erarbeiteten Lebensstandard verzichten zu müssen oder diesen zumindest weitgehend herabzuschrauben.Das ist auch soweit nachvollziehbar da man nach einem arbeitsreichen Leben auch Anrecht auf einen gesicherten und sorgenfreien Lebensabend beansprucht.
Werden die Früchte jahrzentelanger harter Arbeit durch Krisen und schwerwiegende politische Fehler der herrschenden Klasse zunichte gemacht wird Armut in welcher Form auch immer zu einem gravierenden sozialen Problem.


24.08.09   17:39 Uhr Antwort auf: Die Angst davor treibt die Menschen
Autor: AlterKnacker

bei derWahl ist alles wieder vergessen

: Natürlich läßt läßt sich Armut nicht nur auf die Abwesenheit von Geld reduzieren aber gerade die fehlenden finanziellen Mittel für Familien aber auch Alleinerzeihende und nicht zuletzt auch ältere Bürger treibt diese oft an den Rand des seelischen Absturzes.Das hängt oft mit der Angst oder den Bedenken zusammen auf auf hart erarbeiteten Lebensstandard verzichten zu müssen oder diesen zumindest weitgehend herabzuschrauben.Das ist auch soweit nachvollziehbar da man nach einem arbeitsreichen Leben auch Anrecht auf einen gesicherten und sorgenfreien Lebensabend beansprucht.
:Werden die Früchte jahrzentelanger harter Arbeit durch Krisen und schwerwiegende politische Fehler der herrschenden Klasse zunichte gemacht wird Armut in welcher Form auch immer zu einem gravierenden sozialen Problem.

Hoffentlich merken sich die Menschen, welche Partei dafür verantwortlich ist, dass in den letzten Jahren ein Sozialabbau stattgefunden hat. ( Hartz4,Rente mit 67, Gesundheitsreform usw.)


25.08.09   16:28 Uhr Antwort auf: bei derWahl ist alles wieder vergessen
Autor: orbitter

Am Gedächtnis liegt es nicht

Ich glaube das Problem besteht nicht darin das sich die Menschen nicht merken welche Parteien für wirtschaftliche und darauf folgende soziale Verwerfungen verantwortlich sind,sondern sie haben das Vertrauen in das gesamte,sie bestimmende politische System und seine Fähigkeit zu dessen Reformierung verloren.Es allseitig umzugestalten (zu revolutionieren)und schon bei den Wahlen erste Konsequenzen zu ziehen und eben andere politische Parteien zu wählen sind sie (noch)nicht bereit.


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