Autor: JustMe
Was braucht eine Wissensgesellschaft?
: Deutschland hat anteilig am BIP die höchsten Ausgaben für den Gesundheitssektor.Die höchsten Ausgaben im Verhältnis zu wem? Im Vergleich der OECD-Staaten? Nein, dort steht Deutschland im Jahr 2007 nach den USA, Frankreich, Schweiz, Belgien, Kanada und Österreich auf Rang 7 in der Liste, behauptet die OECD.
: Wenn man mal einen Blick über die Grenze wagt, dann sieht man auch warum.
: Zugegeben, zum einen liegt ein Massives Missmanagement vor.
Nun bin ich wirklich gespannt. Werde ich hier die Lösung lesen, die all die Experten, die mit Kostendeckelungen, Querfinanzierungen, Gesundheitsfonds und Krankenkassen-Konkurrenz experimentieren, weil ihnen nichts anderes einfällt, suchen?
: Aber wie uns schon die Thermodynamik lehrt, ist mehr als 100% nicht drinn. Und das bedeutet dann eben weniger leistungen, Reduktion auf das Notwendige etc.
: Nimm als Beispiel GB. Dort bekommst du mit über 60 keine neue Hüfte mehr. Und die Wartezeiten dort werden auch nicht in Minuten gemessen. Eher in Tagen.
Na das ist mal ein Plan. Anti-Humanismus in einem Humansektor. Wie wäre es, wenn wir hier einen Schritt weitergehen und alle chronisch Kranken erschießen lassen? Oder besser noch: Wir schicken sie in Arbeitslager. Dort können Sie das BIP steigern helfen, während sie auf den Tod warten.
Und überhaupt: Da etwa 75% der über 50-jährigen keine neue Arbeit mehr finden, stellen wir einfach die Gesundheitsfürsorge für alle Arbeitslosen ein, die das Alter von 50 Jahren überschreiten. Das hätte zugleich einen sinnvollen Seiteneffekt: Da die meisten Gesundheitskosten von über 60jährigen verursacht werden, könnten wir annähernd 50% der Gesamtkosten einsparen. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie positiv sich das auf Ihre Brieftasche auswirken würde, Priamos1! Nur noch die Hälfte des Krankenkassenbeitrags! Und nie wieder Opas mit Hut, die Sie auf der Autobahn ausbremsen.
: Wie gesagt: Wir konnten uns das einmal leisten, weil Gesundheit früher günstiger war(weit weniger möglichkeiten, kronisch schwer Kranke sind meißt schnell gestorben etc.), wir durch Export massiv Geld eingenommen haben und unsere sonstigen Ausgaben in einem überschaubaren Bereich lagen.
Huh? Sie beklagen Unwirtschaftlichkeit? Nun denn: Wie wäre es, wenn wir, angesichts der Tatsache, dass wir von Freunden umzingelt sind, die Bundeswehr einstampfen? Gegen die Schweden brauchen wir sie ebenso wenig, wie gegen die Österreicher. Und die grüne Grenze ist längst löchriger als ein Schweizer Käse. Also wirtschaften wir besser, setzen den sechstgrößten Militärhaushalt der Welt aus, bis wir es uns wieder leisten können, eine staatliche Reiseagentur zu unterhalten, und nutzen die rund 850 Milliarden Euro dafür, Sie noch ein paar Jahre länger unter Ihren Eltern leiden zu lassen. ... Was halten Sie von dieser Idee, Priamos1?
: Die FDP war so gegen ziemliche jeden Ansatz von staatlicher Überwachung und Zensur in den letzten 12 Jahren. Aber was sind schon Fakten, nicht wahr?
Sie halten Oppositionsgeschwafeln für ernsthafte Aussagen, Priamos1?! Haben Sie aus der Vergangenheit nichts gelernt?
Die FDP war in der Opposition stets gegen so ziemlich alles, was sie später in der Regierung (oder im Bundesrat) mittrug.
: Und nein, ich halte den Internetblog eines wildfremden eben nicht für sonderlich zuverlässig. Wenn er Ahnung von der Sache hätte, dann wäre er Dozent an einer Uni.
Oha, das ist mal eine bemerkenswerte Argumentation: Es ist nur richtiger und wahrer Gottglaube, wenn du an meinen Gott glaubst!
Können Sie sich vorstellen, dass es für einen Außenseiter schwierig ist, einen Posten an einer Uni zu ergattern, Priamos1? Können Sie sich vorstellen, dass ein wirtschaftsliberaler Dozent an einer DDR-Uni einen Lehrstuhl bekäme? Oder haben Sie aus der Vergangenheit gar nichts gelernt?
: In welchem Verhältniss steht er zur Bildung oder zum Bau von Infrastruktur und dem schaffen von Arbeitsplätzen?
Und wieder das Argument der "Arbeitsplätze um jeden Preis".
Es gab einmal Zeiten, da war es nicht schwierig, Arbeit zu beschaffen. Man musste nur noch ein Stückchen Wald roden und Getreide aussäen. Et voila: Schon war da Arbeit für 5 Knechte und 17 Mähhelfer. Die modernen Zeiten, in denen große Maschinen rund um die Uhr arbeiten und nie krank werden, machen es dem Menschen Tag um Tag schwerer, in direkte Konkurrenz dazu zu treten. Dennoch fordern immer noch Leute, dass man neue Krankheiten mit alter Medizin heilen müsse. Und wenn das nicht klappe, dann müsse eben nur die Dosis erhöht werden...
: Beispiel: Wenn ich Steinkohle subventioniere verlieren viele nicht ihren Arbeitsplatz und im Fall der Fälle könnte ich auf Steinkohle zur Energiebereitstellung umschwenken.
Guter Plan - und miserables Beispiel. Die deutsche Steinkohle ist die teuerste Energiequelle, die es gibt. Und angesichts der 10 Milliarden Euronen Subventionen, die Jahr für Jahr in diese Branche fließen, kann man sich leicht ausrechnen, wie teuer den Steuerzahler die paar zehntausend Arbeitsplätze zu stehen kommen, nur weil ein paar Rückwärtsgewandte immer noch nicht bereit sind, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.
:Wie sieht es mit Bildung aus?
:Und wenn ja, in welche Art von Bildung?
:Mehr Mathe und Physik? Mehr Religion? Mehr Deutschunterricht oder Fremdsprachen?
:Mehr Lehrer oder neuere Bücher?
Die Antwort ist so einfach wie ergreifend: Ja!
Bildung ist in der Wissensgesellschaft, in der wir uns momentan befinden, das höchste Gut. Man kann nie zuviel davon haben, ganz gleich, was Sie aufzählen.
Und wenn wir überdies berücksichtigen, dass es, was Sie bis heute an der Hochschuldichte ablesen können, seit Jahrhunderten Deutschlands Kernqualität war, Bildung zu exportieren, steht auch eine mögliche Entwicklungsrichtung bereits offen.
Allerdings wäre sie diametral zu den Forderungen der Liberalen, die lieber "Gesellen" (Bachelor) und "Meister" (Master) die Hochschulen verlassen sehen, die zwar teuer ausgebildet, aber nur zu wenig zu gebrauchen sind; als Ingenieure auszubilden und Deutschland wieder zu einem Forschungsland werden zu lassen, dessen Wissen und Kompetenz einmalig - und damit konkurrenzlos - in der Welt ist.
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